Praxis & Recht
Ehrenamt finden: In fünf Schritten zum passenden Engagement
Text: Redaktion Generation Grenzenlos,
Ein passendes Ehrenamt findest du am schnellsten über eine Freiwilligenagentur, von denen es bundesweit über 400 gibt [bagfa-Agenturatlas], oder direkt bei Vereinen und Gruppen in deinem Alltag. Kläre vor dem Start Zeitaufwand, Einarbeitung, Versicherung und Ansprechperson; wer mit Kindern arbeitet, braucht oft ein erweitertes Führungszeugnis.
Die Fakten
| Was | Was gilt | Beleg |
|---|---|---|
| Freiwilligenagenturen | bundesweit über 400, im Agenturatlas der bagfa über 420 verzeichnet | bagfa-Agenturatlas |
| Wichtigste Struktur | 49 Prozent der Engagierten sind in einem Verein tätig | Freiwilligensurvey 2024 |
| Einstiegsbereitschaft | 66 Prozent der jungen Nicht-Engagierten wären bereit | Freiwilligensurvey 2024 |
| Arbeit mit Minderjährigen | erweitertes Führungszeugnis kann verlangt werden (§ 30a BZRG) | § 30a BZRG |
Ein passendes Ehrenamt hängt an drei Dingen: deiner Zeit, deinen Interessen und einer Organisation, die dich gut einarbeitet. Manche finden es über Freunde oder den eigenen Sportverein, andere über eine Freiwilligenagentur. Wer gezielt sucht und vorher die richtigen Fragen stellt, findet eher etwas, das zu Schule, Ausbildung oder Job passt. Die folgenden fünf Schritte führen vom ersten Interesse bis zum ersten Einsatz.
Schritt 1: Was willst du, und wie viel Zeit hast du?
Am Anfang steht eine ehrliche Bestandsaufnahme von Interessen und verfügbarer Zeit. Der häufigste Grund, warum junge Engagierte aufhören, sind die Anforderungen von Schule und Ausbildung: 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler, Auszubildenden und Studierenden nennen sie, wenn sie ihr Engagement einschränken oder beenden wollen [Freiwilligensurvey 2024].
Drei Fragen helfen beim Sortieren:
- Womit willst du zu tun haben? Menschen (Kinder, Ältere, Geflüchtete), Natur und Tiere, Technik, Sport, Kultur, Politik.
- Wie regelmäßig? Jede Woche zur gleichen Zeit, einmal im Monat, projektweise in den Ferien.
- Allein oder im Team? Manche Aufgaben, etwa eine Lesepatenschaft, macht man eins zu eins, andere wie ein Repair Café leben vom Team.
Schritt 2: Wo findest du Angebote?
Die zentrale Anlaufstelle für Unentschlossene ist eine Freiwilligenagentur. Bundesweit gibt es über 400 davon; die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen führt einen Agenturatlas mit über 420 Einträgen [bagfa-Agenturatlas]. Die Agenturen kennen die Vereine vor Ort, beraten zu Möglichkeiten und vermitteln auch kurze Einsätze.
Neben Freiwilligenagenturen lohnt der direkte Weg zu Vereinen und Gruppen. Fast die Hälfte der Engagierten (49 Prozent) ist in einem Verein tätig [Freiwilligensurvey 2024]. Gute Ausgangspunkte sind:
- Vereine, in denen du schon Mitglied bist, und deren Jugendabteilungen,
- Jugendverbände wie Pfadfinder, Landjugend oder konfessionelle Jugendverbände,
- Einsatzorganisationen wie Feuerwehr, THW, DLRG oder Rotes Kreuz,
- Schule und Hochschule mit Schülervertretung, Schulsanitätsdienst, Tutorien,
- Online-Plattformen für Engagement, die Angebote nach Ort und Thema filtern.
Schritt 3: Was solltest du im Erstgespräch fragen?
Ein gutes Erstgespräch klärt Erwartungen auf beiden Seiten, bevor du zusagst. Seriöse Organisationen nehmen sich dafür Zeit und beantworten diese Fragen ohne Ausweichen:
- Was genau ist die Aufgabe, und wie viele Stunden pro Woche oder Monat braucht sie?
- Wer arbeitet mich ein, und wen frage ich, wenn etwas schiefläuft?
- Gibt es eine Schulung, und wer bezahlt sie?
- Bin ich bei der Tätigkeit versichert (Unfall, Haftpflicht)?
- Werden Auslagen wie Fahrtkosten erstattet?
- Kann ich erst einmal schnuppern, und wie steige ich aus, wenn es nicht passt?
Antworten auf die Versicherungsfrage und zu Aufwandsentschädigungen findest du in den Beiträgen zur Versicherung im Ehrenamt und zur Ehrenamtspauschale.
Schritt 4: Was darf eine Organisation von dir verlangen?
Eine Organisation darf Nachweise verlangen, die für die konkrete Aufgabe nötig sind, nicht mehr. Das wichtigste Beispiel ist das erweiterte Führungszeugnis: Wer ehrenamtlich Minderjährige beaufsichtigt, betreut, erzieht oder ausbildet, kann es beantragen; dafür legst du eine schriftliche Aufforderung der Organisation vor [§ 30a BZRG]. Gute Träger erklären dir, warum sie es brauchen, und sehen es nur ein, statt eine Kopie zu behalten.
Weitere übliche Anforderungen sind ein Erste-Hilfe-Kurs für Gruppenleitungen, eine Schulung für Sterbebegleitung im Hospiz oder eine Grundausbildung bei Feuerwehr und THW. Unüblich sind dagegen Gebühren für das Ehrenamt selbst oder die Erwartung, private Ausrüstung in größerem Umfang zu kaufen.
Schritt 5: Wie gelingt der Start?
Die ersten Wochen entscheiden, ob ein Engagement bleibt. Plane eine feste Probezeit ein, etwa vier bis sechs Einsätze, und verabrede danach ein kurzes Gespräch: Passt die Aufgabe, passt der Umfang, fehlt dir etwas?
Hilfreich ist es, früh Verantwortung für einen klar abgegrenzten Teil zu übernehmen, statt nur „mitzuhelfen“. Wer weiß, wofür er zuständig ist, bleibt eher dabei. Und wenn es nicht passt, ist ein ehrlicher Abschied besser als stilles Verschwinden; die meisten Organisationen sind dankbar für eine klare Absage.
Was, wenn es vor Ort nichts Passendes gibt?
Dann kannst du selbst etwas anstoßen. 13 Prozent der Engagierten sind in individuell organisierten Gruppen aktiv, etwa in Nachbarschaftshilfe oder Initiativen [Freiwilligensurvey 2024]. Für einen eigenen Anfang reichen oft drei Leute, eine klare Idee und ein Raum, den zum Beispiel ein Jugendzentrum oder eine Kirchengemeinde zur Verfügung stellt.
Wenn daraus etwas Dauerhaftes werden soll, lohnt sich später die Frage nach einem Träger oder einer Vereinsgründung, schon wegen Versicherung und Fördermitteln. Für Projekte junger Menschen gibt es außerdem eigene Förderwege, etwa die Jugendfonds der lokalen Partnerschaften für Demokratie oder die Solidaritätsprojekte des Europäischen Solidaritätskorps; beide stellen wir in den Beiträgen zu Demokratie und zu Freiwilligendiensten vor.
Fragen, die oft kommen
Ab welchem Alter kann ich mich ehrenamtlich engagieren?
Eine allgemeine Altersgrenze gibt es nicht. Viele Organisationen haben eigene Jugendabteilungen, die THW-Jugend zum Beispiel nimmt Kinder ab sechs Jahren auf [THW: Ehrenamt]; für manche Aufgaben, etwa Gruppenleitung oder Fahrdienste, setzen Vereine ein Mindestalter fest.
Was macht eine Freiwilligenagentur?
Freiwilligenagenturen beraten Menschen, die sich engagieren wollen, und vermitteln sie an Vereine, Initiativen und Einrichtungen vor Ort. Ihr Dachverband ist die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen, die einen Agenturatlas mit über 420 Agenturen führt [bagfa-Agenturatlas].
Muss ich ein Führungszeugnis vorlegen?
Ein Führungszeugnis brauchst du nur für bestimmte Aufgaben. Wer Kinder oder Jugendliche betreut, beaufsichtigt oder ausbildet, kann dafür ein erweitertes Führungszeugnis beantragen, wenn der Träger schriftlich dazu auffordert [§ 30a BZRG].
Kann ich ein Ehrenamt erst einmal ausprobieren?
Ja, ein Ehrenamt auszuprobieren ist möglich und sinnvoll. Frag nach einem Schnuppertermin oder einer Probezeit von einigen Wochen; seriöse Organisationen erwarten keine langfristige Zusage, bevor du die Aufgabe kennst.
Belege
- bagfa-Agenturatlas — Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) – Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen – Startseite und Agenturatlas – bagfa.de – nachgeprüft am 02.10.2026
- Freiwilligensurvey 2024 — Die Bundesregierung (im Auftrag der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt) – Freiwilliges Engagement in Deutschland. Zentrale Ergebnisse des Sechsten Deutschen Freiwilligensurveys (FWS 2024) – 2025 – publikationen-bundesregierung.de/resource/blob/… – nachgeprüft am 02.10.2026
- § 30a BZRG — Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) – Bundeszentralregistergesetz (BZRG), § 30a Antrag auf ein erweitertes Führungszeugnis – gesetze-im-internet.de/bzrg/__30a.html – nachgeprüft am 02.10.2026
- THW: Ehrenamt — Bundesanstalt Technisches Hilfswerk – Ehrenamt im THW – thw.de/DE/Mitwirken/Ehrenamt/ehrenamt_node.html – nachgeprüft am 02.10.2026